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Monterrey 1992
38 km schwimmen
1800 km rad
422 km laufen
Ich stehe am Jels-See in Dänemark, gerade ist der 2.
Ironman Triathlon in Rodekro gestartet worden. Das Wasser
kocht wie immer beim Massenstart. Neben mir bangt die Frau
von Visti Petersen, dass Visti hier zu Hause einen guten Wettkampf
hinlegen wird.
Visti und ich haben uns beim 1. Ironman in Rodekro befreundet.
Seine Frau erzählt mir, dass er im nächstem Jahr
beim vierfachen Ironman in
Sekesverherfar Ungarn und dann im November in Monterrey Mexico
beim zehnfachen Ironman starten will.
Ich kann es nicht glauben, zehnfach Ironman unvorstellbar.
Es ist Samstag, der 7. November. Wie ein elender Hund liege
ich auf einer alten Matratze und übergebe mich in allen
Farben, ich bin völlig am Ende, was war passiert.
Ich bin in Mexico beim zehnfachen Ironman und habe gerade
38 km schwimmen hinter mir. Irgend etwas muß nicht gestimmt
haben, während der 20:20 Stunden schwimmen im 30°C
warmen Wasser des Freibades von Monterrey.
Andrea Rösch meine hübsche mexicanische Betreuerin
lerne ich erst kennen, als ich schon im Schwimmbecken war.
Bei einem der vielen Empfänge vor dem event sollte ichsie
kennenlernen, aber die österreichischen Athleten waren
so von Andrea beeindruckt, dass ich sie gar nicht richtig
zu sehen bekam.
Andrea saß in der kalten, regnerischen Nacht am Beckenrand
und versorgte mich. Um Zeit zu sparen, den Mund noch mit etwas
Nahrung gefüllt, bin ich weiter geschwommen und habe
Chlorwasser geschluckt.
Nach einer Stunde steige ich, noch etwas wackelig auf den
Beinen auf mein Rennrad.
Es liegen jetzt 1800 km auf dem Rad vor mir. Die Polizei umringt
mich mit ihren Autos, Blaulicht an und los geht’s auf
die Autobahn, natürlich gegen den Verkehr zum Park Nova
Leon.
Auf einem herrlichen von Palmen umsäumten Rundkurs,
ohne Verkehr spule ich meine Runden ab. Die Triathleten, die
vor mir aus dem Wasser gekommen sind, haben ein Betreuer Team
dabei, werden rund um die Uhr mit Nahrung und Getränken
versorgt.
Meine Betreuerin Andrea ist nach Hause gefahren, will morgen
wieder kommen. Ich sitze auf dem Rad, es regnet und stürmt
und meine Gedanken sind noch bei den Fiestas, Tequilla und
den temperamentvollen Menschen.
Die Woche vor dem ersten zehnfachen Ironman in den
besten Hotels mit jeder Menge Luxus hat doch etwas von meiner
Power genommen.
Es wird auf dem Rad gefahren als ginge es um einen Kurz-Triathlon.
Da noch nie ein Mensch die Belastung eines zehnfachen Ironman
erlebt hat, dachte ich, dass die Teilnehmer doch vorsichtiger
an solch eine Herausforderung herangehen.
Ein großer Koffer voller hochwertiger Nahrung steht
in meinem Zelt. Beim Einchecken in Hamburg, musste ich noch
eine Menge Übergepäck bezahlen und nun stelle ich
fest, dass der Koffer ein rundes Loch an der Seite hat. Im
Koffer frißt gerade eine dicke fette Ratte meine spezial
Nahrung an.
Die vielen hübschen Mexicanerinen in ihren Mini-Röcken
feuern mich an und sind total begeistert. Ich fahre Tag und
Nacht durch, trinke und esse ständig und schlafe maximal
3 Stunden. Das ständige Belasten, obwohl der Körper
schon am Ende ist, ist für mich nicht ganz neu, vor vier
Jahren auf dem Einzelkänpfer- Lehrgang der Bundeswehr
und bei anderen
militärischen Aktionen habe ich diesen Bereich schon
kennen gelernt.
Aber hier in Mexico habe ich einen Begleiter und der heißt
Mountezumas-Rache. Ich muß häufig vom Rad steigen,
der Energiehaushalt ist stark gestört.
Nach 1700 km auf dem Rad habe ich starke Schmerzen im rechten
Oberschlenkel. Auf meinem Triathlon-Rad mit dem steilen Sitzrohrwinkel
kann ich nicht mehr fahren.
Die letzten 100 km fahre ich auf dem Rennrad von Stefan Schlett.
Jetzt nur noch 422 km laufen. Das rechte Bein macht sich
bemerkbar, aber eigentlich schmerzt der ganze Körper,
von den Füßen ganz zu schweigen. Im Bereich der
Oberschenkel ist durch den Schweiß alles mit dicken
Pickeln übersät. Der Holländer Dan Rob betreut
mich jetzt, Dan ist der Betreuer von Stefan Schlett der schon
seit Stunden, auf dem 2. Platz liegend, im Ziel ist.
Ich kaue auf meinen mexicanischen Müsli, plötzlich
beiße ich auf einen kleinen Stein, ein stechender Schmerz,
mir bricht ein Zahn ab. Die anderen Athleten laufen Runde
für Runde. Ich sitze an der Rennstrecke und lasse mich
von einem Zahnarzt behandeln. Andrea hatte ihn mitten in der
Nacht besorgt.
Vor mir läuft der Ungar Andre Voluczek ins Ziel, sieben
Stunden später, nach 298 Stunden auf den 13. Platz liegend,
habe ich es geschafft.
Ein Wahnsinn, riesen Jubel, der Race Direktor Jorge Luis
Andonie, aber auch die anderen Athleten mit ihren Betreuern
feiern mich im Ziel.
Na, da sind doch noch die hübschen Mexicanerinen, allen
voran meine Betreuerin Andrea, sie alle sind froh, dass ich
diesen 1. Deca-Triathlon in Monterrey, Mexico über 38
km schwimmen, 1800 km Rad fahren und 422 km laufen gefinisht
habe.
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